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Fakten zum Kongress

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11. August 06

Experten antworten

Lässt sich die vernetzte Kommunikation über das "Web 2.0" steuern? Wie?

Hattendorf Kai Hattendorf, Corporate Communications, T-Online: Vernetzte Kommunikation lässt sich ebenso wenig präzise steuern wie andere Formen der Kommunikation. Web 2.0 ermöglicht neue Formen des „citizen journalism“ – und damit neue Informationskanäle. So hat die deutsche Wikipedia 20.000 verschiedene registrierte Nutzer. Hier entsteht neben den hauptberuflichen Journalisten eine neue große Gemeinschaft von Meinungsbildnern, die zumindest teilweise die Gatekeeper-Funktion in den neuen Online-Medien übernimmt.

Wer vernetzt kommunizieren möchte, der ist gut beraten, hier beide Zielgruppen anzusprechen. Unverändert bleibt aber die Grundaufgabe der professionellen Kommunikation: Es gilt, das zu präsentierende Thema authentisch und in sich geschlossen darzustellen – egal auf welcher Plattform. Und das ist auch die beste Form der Steuerung.

09. August 06

Experten antworten

Welche Veränderungen kommen mit dem Web 2.0 auf Unternehmen zu?

Frank Kemper, Stellv. Chefredakteur INTERNET WORLD Business: Was von Web 2.0 reines Marketing-Buzz ist und was von Dauer, das wird sich zeigen. Für mich zerfällt Web 2.0 in zwei Aspekte, den Technik-Aspekt und den soziokulturellen Aspekt. Der Technik-Aspekt ist spannend und unmittelbar: Web-Services tauschen Daten miteinander aus und schaffen so Mehrwert. Das Ergebnis sind interaktive Stadtpläne, in denen ich ein Restaurant nicht nur finde, sondern auch gleich die Speisekarte, eine VoIP-Verbindung zur Tischreservierung, die Meinungen von Gästen über das Essen und die aktuelle Restaurantkritik aus der Tageszeitung. Oder eine Kundenverwaltung, die mir die Lage meiner Key-Account-Kunden auf einer Landkarte anzeigt, mir für eine Rundreise eine Route vorschlägt und gleich anzeigt, welche brauchbaren Hotels entlang der Route liegen – und ob sie Zimmer frei haben. Diese neuen technischen Möglichkeiten eröffnen Unternehmen unmittelbar neue Geschäftsmodelle – wenn diese Unternehmen kreativ und schnell genug sind.

Ebenfalls spannend ist der Trend zur digitalen Identität. Menschen definieren sich nicht mehr nur über ihr Auto, ihr Haus, ihr Boot, ihren Freundeskreis und ihre Karriere. Sie sind stolz, auf Lycos IQ einen Expertenrang erreicht zu haben, auf Flickr.com Kommentare zu ihren Bildern zu lesen und auf Delicious.com mit ihren Links anderen Menschen weiterzuhelfen. Diese grundsätzliche Bereitschaft zum Aufgehen in einer Community können Unternehmen nutzen, um neue Wege zu finden, wie sie sich selbst in der Öffentlichkeit darstellen und wie sie mit ihren Kunden kommunizieren. Die heute noch vielfach anzutreffende Methode, einfach auf Reichweite und Frequenz zu setzen – und jede freie Fläche mit Werbung zuzuballern – wird sich tot laufen. Wer in Zukunft seinen Kunden etwas verkaufen will, muss ihr Interesse wecken, aber er darf sie nicht nerven.

Sehr spannend wird Web 2.0, wenn man es mit mobilen Geräten verknüpft. Google Maps ist schon ziemlich klasse, aber Google Maps in einem Auto-Navigationssystem oder auf einem Handy, das ist eine neue Ebene – vor allem, wenn die Mobilfunk-Datentarife ein marktgängiges Niveau erreicht haben. Und die Unternehmen, die sich nicht beizeiten darum gekümmert haben, hier gut auszusehen, werden in Zukunft eben weniger Kunden haben.

08. August 06

Experten antworten

Was sagen Sie zu der Behauptung, Blogger seien Selbstdarsteller?

Ripanti Marco Ripanti von "Die Bildungsgruppe": Natürlich sind viele Blogger Selbstdarsteller, weil es eine schnelle Möglichkeit ist, sich ein wenig in die Öffentlichkeit zu spielen.

Viele missbrauchen diese Möglichkeit und bringen so das Thema "Bloggen" ein wenig in Verruf. Geben wir diesem Hype noch ein wenig Zeit, und wir werden sehen, dass sich auch in diesem Medium "die Guten" gegen "die Bösen" durchsetzen werden.

Einen Blog anzulegen und zu starten ist leicht. Die Kunst ist es, am Ball zu bleiben; und da sehe ich für Viele das Problem. Bis es ein Blog auf meine Pageflakes oder Netvibes Seite schafft, muss er schon Einiges bieten :-)

04. August 06

Experten antworten

Martin Hugo E. Martin, Berater und Experte in Bezug auf Web 2.0-Themen und Citizen journalism:

Geht die Netzeitung mit der Readers Edition den Weg, dem sich bald auch die klassischen Medien nicht entziehen können?

Hugo E. Martin: Wenn das der Weg sein soll, werden 'klassische Medien' wohl kaum (jedenfalls nicht dadurch) überleben. In Kürze ist die Readeredition wahrscheinlich zweimal die falsche Antwort auf eine "richtige" Erkenntnis:

1. Klassische Medien brauchen mehr Dialog und Partizipation mit den Nutzern/Teilhabern müssen sich mit ihren (früher bezeichnet als ...) "Empfänger/Lesern / Hörern / Zuschauern/Publikum" gemein machen, deren Partys besuchen (... und sich dort so einzubringen, dass sie das nächste Mal gerne wieder eingeladen werden).
Kurzdiagnose Readers Edition: Fehlanzeige.< /p>

2. Mehr und mehr Leser / Hörer / Zuschauer wollen auch selbst aktiv werden, selbst produzieren (D.I.Y). Die Empfänger wollen jetzt auch senden. Mehr und mehr Leser / Hörer / Zuschauer wollen auch selbst aktiv werden, sich artikulieren, kommunizieren, organisieren, selbst produzieren und selbst verbreiten. Der PC, das Web, die Software, das Mobiltelefon (mit Kamera), usw. stellen die Tools für das D.I.Y. - Bedürfnis zur Verfügung. Kosten und Aufwand halten sich in Grenzen. Klassische Medien können die "Party" hosten, Tools, Plattformen, Support und Services zur Verfügung stellen, anbieten und wenn die Party gefällt, dann trifft man sich demnächst dort wieder.

Kurzdiagnose Readers Edition: Fehlanzeige - die, die sich auf der Party „Wohlfühlen wollen“, sollen nach des Veranstalters Pfeife tanzen (und für ihn arbeiten).

Link zu The People Formerly Known as the Audience